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Die Geologie im Bergbaugebiet Imst-Tarrenz-Nassereith

Die Bergbaugebiete von Imst, Tarrenz und Nassereith liegen in Gesteinen der Nördlichen Kalkalpen, dem obersten „Stockwerk“ der ostalpinen Gesteine, dem Oberostalpin.

Sie sind am Nordrand der afrikanischen Platte abgelagert (sedimentiert) und im Rahmen der alpidischen Gebirgsbildung – nach einem weiten Schub nach Norden – auf die europäische Platte aufgeschoben worden – vereinfacht dargestellt. Innerhalb unseres Betrachtungsraumes stellt dabei die Inntaldecke, die auf die, nun unterlagernde aber gesteinsmäßig gleich alte, Lechtaldecke aufgeschoben wurde, wie diese ein mehrere tausend Meter mächtiges Gesteinspaket dar. Diese gebirgsbildenden Bewegungen waren in der Oberkreide und im Alttertiär (100 bis 30 Millionen Jahre) am aktivsten und führten auch zu einer klein- bis großräumigen Faltung, sowie einem entsprechenden Zerscheren der Gesteine. Fast alle Erzvorkommen und -lagerstätten finden wir in den Gesteinen der Inntaldecke.

Dabei beginnt die Gesteinsserie, welche hier allerdings nicht aufgeschlossen ist, mit den Gesteinen des jüngsten Perm (Permoskyth) vor über 250 Millionen Jahren und reicht bis in die Oberkreide in eine Zeit vor etwa 70 Millionen Jahren. Schematisches Schichtprofil: Über einer gebirgsbildungsbedingten Sedimentationspause zur Zeit des Karbon/Perm bilden der Alpine Bundsandstein mit seinen Basissedimenten und die Reichenhaller Schichten den tiefsten Teil des Sedimentstapels – Übergang von Flussdeltasedimenten in einen sehr flachen Küstenbereich.

Darüber folgt die Serie des Alpinen Muschelkalkes – es sind dies zunehmend küstenferner gebildete Kalke und seltene Kupfererze. Auf sie folgt wiederum der 2000 Meter mächtige Wettersteinkalk als Hauptfelsbildner – er ist der Hauptträger der Blei-Zink-Molybdänerze. In unserer Region zum Beispiel im Bereich Heiterwand, Wannig oder Tschirgant. Die Sedimente entstanden zuerst in einem Riffbereich, darüber folgt der Übergang in die zugehörige Lagune. Im zeitlichen Niveau des älteren Wettersteinkalks können auch Schiefertone und Kalke auftreten, die als Partnachschichten bezeichnet werden und in nicht so seichten Meeresbereichen gebildet wurden.

Das nächst jüngere Gesteinspaket stellt die Serie der Raibler Schichten dar, eine meist bunte Wechselfolge von Kalken, Dolomitgestein, Rauhwacken, Schiertonen, Mergeln und typischen Sandsteinen. Eine Gipsführung ist typisch und lokal können unbedeutende Braunkohleflöze zwischengeschaltet sein. Außerdem können Flach(st)wasserablagerungen vorkommen, Blei-Zink-Erze sind sehr selten.

Noch jünger ist der Hauptdolomit, der ebenso bis über 2000 Meter mächtig sein kann und meist die weniger scharfen und eher niedrigeren Gipfel aufbaut – zum Beispiel Simmering oder Rauchberg. Man spricht hier vom Lagunären Milieu. Besonders im Muttekopfgebiet treten in ihm stärker bituminöse Lagen auf, die hier aber wahrscheinlich nicht bergbaulich genutzt wurden. Im höchsten Teil kommt es zum Übergang in den Plattenkalk.

Den höchsten Teil der Gesteinsserie der Trias bilden die Kössener Schichten, eine Wechselfolge von Kalken und Schiertonen (nur in der Lechtaldecke aufgeschlossen) bzw. die Oberhätkalke (Riffkalke). Auch die Gesteine des nächst höheren Systems, des Jura, finden sich nur in der Lechtaldecke. Zur Zeit der Stufe der Gosau lagerten sich, nach einer Zeit der Abtragung, im Bereich des Muttekopfes die Gosauschichten ab: Sandsteine, Mergel, Breccien, Konglomerate. Die den Festgesteinen aufgelagerten Lockersedimente entstanden während der Eiszeiten sowie danach: Moränen, Breccien, Konglomerate, Schotter, Sande, Tone usw. Die Bergstürze am Tschirgant wie auch am Fernpass haben die Landschaft deutlich verändert. Auch in jüngster Zeit ändert sich natürlich das Bild unserer Alpen, schließlich ist ihre Bildung noch nicht abgeschlossen. Allerdings ist es nun auch der Mensch, der „mitmischt“. Vom 15. bis 18. Jahrhundert waren es die Bergleute und nun zunehmend die Steinbruch- und Schottergrubenbetreiber sowie die Straßen- und Pistenbauer und noch andere mehr.

Landesgeologe Dr. Peter Gstrein