Knappenwelt Gurgltal

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Die Geschichte der Abbaugebiete in der Region

Im Umfeld des Gurgltals ergeben sich folgende Hauptbergbaugebiete, welche in vier Großbereiche eingeteilt werden können:

  • Bereich 1 (im Südwesten): Blaue Grotte, Eibental, Gebiet Laggersberg.
  • Bereich 2 (im Nordwesten): Bergbau im Bereich der Heiterwand wie Alpeil, Kratzer, Kuchlzeche, Krom, St. Veit, Reissenschuh, Dirstentritt, Brunnwaldkopf.
  • Bereich 3 (im Nordosten): Sigmundgrube, Matthiasgrube, Feigenstein, Lorenzigrube, Blasiental, Haverstock, Hochwart, Handschuhspitze – Marienbergjoch (der Bergbau reicht von hier noch weit gegen Osten bzw. Nordosten).
  • Bereich 4 (im Südosten): Die Gruben am Tschirgant wie Gipfelbau, Plateaubau, Bergbau bei Wasteles Hütte, Silberstuben, Heinrich & Emma, Frauenbrunnen.


Bereich 1: Die „Blaue Grotte“ am Oberende der Rosengartlschlucht ist touristisch erschlossen. Ein kleiner Tagbau und ein paar kurze Stollen sowie eine Feuersetzung und Schrämmarbeiten sind dort zu sehen.

Der Laaggers nimmt geologisch eine Sonderstellung ein, da hier auf den Gesteinen der mächtigen Inntaldecke noch ein höheres tektonisches Stockwerk aufliegt und in der Form der Krabachjochdecke erhalten ist. Über den Bergbau in diesem Gebiet ist sehr wenig bekannt.

Bereich 2: An der Südflanke der Heiterwand findet man oberhalb des Heiterwand-Südweges, der von der Heiterwandhütte über den Kratzer Sattel zum Steinjöchl führt, mehrere Teilreviere, wie den Bergbau Alpeil und den Bergbau Kratzer. Außerdem trifft man im Geschröf noch andernorts auf Stollen- und Abbausysteme, die aber nie bedeutend waren.

An der Nordseite trifft man auf einen Grubenkomplex mit dem Namen „Krom“. Wenn auch immer wieder geschrieben wird, dass hier einst Chromerz gefunden wurde, so dürfte der Namen wohl doch eher vom mundartlichen „Grobn“ = Graben. Tatsächlich liegen die Stollen in einer Art Verschneidung an einer mächtigen Scherfläche in zum Teil steilem Fels.

Die alten Gruben des Bergbaus St. Veit liegen auf 1.900 Metern und etwas darüber, wobei angeblich gute Erze abgebaut werden konnten. Auch trat reichlich Galmei auf. Nach einer Unterbrechung interessierte man sich ab 1880 wieder für diese Erze und schloss die Lagerstätte bis auf die Höhe des Schweinseinjoches hinab durch den Anton-Unterbau und einen Blindschacht auf. Die untersten 200 Meter der nur im sehr kleinen Stil aufgeschlossenen Lagerstätte wurden abbaumäßig fast nicht angetastet und es findet sich geschrieben, dass in diesem mächtigen Felspaket noch einige tausend Tonnen Erz schlummern sollen.

Das Revier Reissenschuh liegt westlich unterhalb des gleichnamigen Joches (2052m) sowie dessen Umfeld zwischen dem Alpleskopf und dem Rauchberg im obersten Wettersteinkalk, wobei Bleierze auch in den Raibler Schichten auftreten können. Möglicherweise wurde hier schon vor dem 15. Jahrhundert gebaut. Die Hauptbetriebszeit lag um 1680 bis 1740. Die Gruben hatten nie Bedeutung erlangt.

Das wohl bedeutendste und zugleich für den Lagerstättenkundler besonders interessante Revier ist der Dirstendritt. Er ist möglicherweise einer der „Keimzellen“ des Gurgltaler Bleibergbaus.

Die höchsten Erzausbisse, die Fundbaue, liegen vier Kilometer westlich von Nassereith, fast auf 1.900 Metern in der Ostabdachung des Alpleskopfes. Um 1981 waren noch zwei auffallende Geländervertiefungen zu sehen. Nur wenig unterhalb führt der alte, über zehn Kilometer lange Knappenweg (Erzweg) vom Tarrentongebiet hinunter nach Tarrenz und von dort weiter an der Sinnesbrunnkapelle vorbei.

Die Vererzung zeigte sich sofort als gut bauwürdig und wurde offensichtlich nach der Tiefe zu ausgedehnter und reicher. So setzte man mehrere Unterbaustollen an, von denen die wichtigsten die Stollen Anna, Antoni, Michaeli, Maria Heimsuchung, Carl-Eduard und Wendelin sind. Auch hier vermutet man noch im Streichen und quer dazu weitere Vererzungen, sodass einst über dieses Revier sehr viel geschrieben und zahlreiche lagerstättenmäßige Überlegungen angestellt wurden. Der Betrieb musste wegen zu wenig reicher Erze 1952 geschlossen werden.

Im Bergbaugebiet Brunnwaldkopf finden sich nur in den felsigen Abhängen gegen den Gafleinbach deutliche Spuren bergmännischer Tätigkeit. Nahe dem Talboden wurden um die Mitte des 20. Jahrhunderts der Schurfstollen mit einem Oberbau, der kurze Fuderer und ein Versuchsstollen nordöstlich der Wildfütterung vorangetrieben. Zu einem Erzabbau ist es zu dieser Zeit nicht gekommen.

Bereich 3: An den West-, Südwest- und Südflanken das Wannig (auf Wanneck genannt) im Mieminger Gebirge finden sich ebenfalls einige bemerkenswerte Bergbaugebiet.

Ein nicht unbedeutendes, altes Revier ist die Sigmundgrube, bei der die Stollen noch in Schrämarbeit vorgetrieben wurden. Die Mundlöcher der fünf hier bekannten Einbaue liegen in den Wänden nördlich des Nassereither Sees in einem schwer zugänglichen Gebiet.

Weniger bedeutend war die Matthiasgrube, die 600 Meter südwestlich der Sigmundgrube. Mehrere kurze Stollen sind noch zu sehen, ein kurzer, junger Schurf ist noch zugänglich. Die drei hier einst betriebenen Stollen sollen bis 250 Meter tief in den Berg gereicht haben, sind aber nicht mehr zugänglich.

An der Südflanke des Wannig sind noch heute die Schutthalden des Mariahilfstollen, des Barbarastollen und des Johann-Baptist-Stollen. Darunter erkennt man noch heute das Mundloch des tiefsten Stollens im Bergbaugebiet Feigenstein – den Annastollen.

Während so ziemlich alle Lagerstätten des Raumes vor 1550 gefunden und gebaut wurden, hat man die Feigensteiner erst 1670 entdeckt. Auch deshalb fehlen in diesem Bergbau die sonst üblichen, typischen Spuren der Schrämmarbeit.

Eine unrühmlich bergbauliche Bekanntheit erreicht dieser Bergbau durch verheerende Wasserausbrüche in den Jahren 1948, 1959 und schließlich 1999, dem Schwersten. Durch die abgehenden Muren kam es zu schweren Verwüstungen.

Über den Bergbau bei der Lorenzigrube weiß man recht wenig. Er lag oberhalb des Almweges der vom Feigensteiner Bergbau zur Nassereither Alm führt. Folgt man diesem Steig weiter bergauf erreicht man den Bergbau Blasiental. Der am tiefsten vorgetrieben Blasiusstollen liegt nur ein paar Meter oberhalb des Steiges. Etwas höher, gegen den Oberen Geierskopf, erkennt das geschulte Auge auch tiefer hineinreichenden Tagbau.

Zwischen 700 und 1.100 Meter nordnordwestlich des Bergbaus Blasiental liegt der Bergbau Haverstock. Dieser Bergbau wurde schon ziemlich früh, vor 1457, in Betrieb genommen. Das zentrale, alte Abbaugebiet liegt bergseitig des Riffeltales, wobei sieben Stollen namentlich bekannt sind.

Als Fortsetzung der Lagerstätten des Haverstock ist der Bergbau Hochwart anzusehen. Dieser liegt nördlich des Steiges zum Wannig und befindet sich bereits über der Waldgrenze.

Der Zug des Wettersteinkalkes führt vom Wannig über die Handschuhspitze und dem Unteren Schafkopf zum Marienbergjoch. In der Südflanke dieses Rückens wurden im obersten bis oberen Wettersteinkalk mehrerenorts Blei- und Zinkerze gebaut.

Am Hausberg des Gurgltals, dem Tschirgant, findet man vom Gipfel gegen Westen bis zum Boden des Gurgltals vielfach deutliche Spuren des einstigen Erzbaues.

Bereits ein paar Meterzehner westlich des Gipfelkreuzes ist neben dem Steig eine Einmuldung zu erkennen, die den höchsten Tagbau, den „Gipfelbau“ darstellt. Etwas tiefer auf etwa 2.100 Metern befindet sich die Bergwachthütte. Gegen Westen trifft man auf auffallende Bergbauhalden und meistverbrochene Stolleingänge – den „Plateaubauen“. An der Südseite gegen Karres hinab sind die Spuren des „Bleierzbergbau am Tschirgant“ sichtbar. Auch wird hier in der Literatur das Abbaugebiet „Silbertal“ beschrieben, wo recht silberreiche Erze eingebrochen sein sollen.

Weiter in Richtung Tal führt der Steig durch die nicht kleinen Taubhalden des Bergbaus bei „Wasteles Hütte“ auf 1.845 bis 1.870 Metern. Im Tschirgantwald liegt besonders bergseitig der Fahrstraße zur Karröster Alm bzw. beidseitig des dort gebauten Geolehrpfades das Revier „Silberstuben“ mit mehreren verbrochenen, aber einst wahrscheinlich tiefer reichenden Einbauen. An die Silberstubenbaue anschließend wurden nach 1900 zwei Hoffnungsbaue vorgetrieben. Der Emmastollen durchfuhr nur taubes Gebirge, der Heinrichstollen querte eine geringfügige Mineralisation.

Von etwa 50 Meter tiefer und weiter südlich bis hinunter zum Boden des Gurgltals reicht das Revier Frauenbrunnen mit dem gleichnamigen Stollen als tiefsten Einbau. Er steht mit dem fast 200 Meter höher angeschlagenen Franzlstollen in Verbindung. Links oberhalb trifft man auf den Klammkopfstollen, einem großen Tagbau.

Weiter abgelegener Bergbau am Tschirgant ist knapp östlich der Karrer Alm, sowie im Bereich Magerbach, nordwestlich von Haiming zu finden.

Landesgeologe Dr. Peter Gstrein